Auf den Talwiesen zwischen Schlierbach und Eulsbach in der Gemarkung Lindenfels gibt es gute Nachrichten für den Naturschutz: Der Helle und der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling, zwei seltene und streng geschützte Schmetterlingsarten, wurden dort in diesem Jahr wieder deutlich häufiger nachgewiesen als in den vergangenen Jahren.
Angepasste Bewirtschaftung hilft enorm
Verantwortlich dafür ist vor allem eine angepasste Bewirtschaftung der Flächen. Bewirtschaftet werden die Wiesen vom Bio-Landwirtschaftsbetrieb Heiko Pfeifer aus Fürth-Ellenbach. Durch spätere Mahdtermine und den Verzicht auf Düngung haben sich die Lebensbedingungen für die beiden spezialisierten Schmetterlingsarten deutlich verbessert. Für diese naturschutzgerechte Bewirtschaftung erhalten die beteiligten landwirtschaftlichen Betriebe Fördermittel des Landes Hessen. Voraussetzung ist unter anderem eine Mahdruhe während der empfindlichen Entwicklungszeit der Falter.
„Bis vor wenigen Jahren waren hier nur noch vereinzelt ein oder zwei Falter zu beobachten. Aktuell konnten wieder deutlich mehr Tiere festgestellt werden. Das ist noch keine dauerhaft gesicherte Population, aber eine sehr positive Entwicklung und ein wichtiger Anfang“, erläutert Dirk Bernd vom Naturschutzverein MUNA, der die Bestände seit vielen Jahren beobachtet.
Erholung von Populationen keine Selbstverständlichkeit
Der Helle und der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling zählen zu den spezialisiertesten Schmetterlingsarten heimischer Wiesen. Sie sind nicht nur auf den Großen Wiesenknopf als Futterpflanze angewiesen, sondern auch auf bestimmte Knotenameisen, in deren Nestern sich die Raupen weiterentwickeln. Stimmen Blütenangebot, Ameisenvorkommen und Mahdzeitpunkte nicht überein, ist der Fortbestand der Arten gefährdet.
„Gerade bei diesen Arten entscheidet die Bewirtschaftung der Wiesen ganz wesentlich über den Erfolg. Wenn zur falschen Zeit gemäht wird, können Eier oder Raupen verloren gehen oder der Große Wiesenknopf steht während der Flugzeit nicht in geeigneter Form zur Verfügung. Deshalb ist die Zusammenarbeit mit den Bewirtschafterinnen und Bewirtschaftern so wichtig“, erklärt Martin Schaarschmidt vom Landschaftspflegeverband Kreis Bergstraße (LPV). Seit 2024 organisiert der LPV gemeinsam mit dem Regierungspräsidium Darmstadt Vernetzungstreffen zum Schutz der beiden Schmetterlingsarten. Beteiligt sind unter anderem die Untere Naturschutzbehörde, das Amt für den ländlichen Raum, der Gewässerverband Bergstraße, der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald sowie ehrenamtliche Naturschützer. Gemeinsam werden Schutzmaßnahmen abgestimmt und Lösungen entwickelt, die Naturschutz und Landwirtschaft miteinander verbinden.
Landwirt untertützt gerne beim Erhalt
Für Bio-Landwirt Heiko Pfeifer war die Entscheidung schnell gefallen: „Nachdem ich erfahren habe, welche seltenen Arten auf den Wiesen vorkommen, war es für mich selbstverständlich, die Bewirtschaftung entsprechend anzupassen und einen Beitrag zum Erhalt dieser Schmetterlinge zu leisten.“
Die Entwicklung zwischen Schlierbach und Eulsbach zeigt, dass Artenvielfalt und landwirtschaftliche Nutzung kein Widerspruch sein müssen. Durch eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten entstehen Lebensräume, in denen selbst hoch spezialisierte und seltene Schmetterlingsarten wieder bessere Überlebenschancen erhalten.